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Umgang mit Krebskranken – Tipps für Angehörige und Freunde introvertierter Menschen

 

Wir alle kennen introvertierte Menschen – ich selbst bin ein gutes Beispiel! Aufgrund dieser (bei mir verhältnismäßig stark ausgeprägten) Charaktereigenschaft empfand ich meine damalige Krebsdiagnose so, als würde ich – ungewollt! – ins Rampenlicht gedrängt werden. Plötzlich waren alle Augen auf mich gerichtet!

Auch, wenn es noch so gut gemeint war – es war Horror, denn kein introvertierter Mensch möchte im Mittelpunkt stehen! Im Umgang mit Krebskranken gibt es Tipps für Angehörige, die ich daher gerne im Namen aller introvertierten Krebspatientinnen mit auf den Weg geben möchte…

 

Umgang mit Krebskranken

 

 

Stille Menschen in der lauten Welt

Laut Duden bedeutetet „introvertiert“: Auf das eigene Seelenleben gerichtet, nach innen gekehrt; verschlossen.

Introvertierte, leise Menschen werden oft von den extrovertierten, lauten Zeitgenossen übertönt. Sie sehen sich oft mit vielen negativen und falschen Vorurteilen konfrontiert. Viele Menschen würden uns Introvertierten fälschlicherweise einfach als „schüchtern“ bezeichnen. Da gibt es allerdings einen wesentlichen Unterscheid, den Autorin Susan Cain in einem TED-Talk mit dem Titel „The Power of Introvertsschön erklärte:

 

„Wer schüchtern ist, fürchtet die Beurteilung durch das soziale Umfeld. Bei Introvertiertheit geht es eher darum, wie man auf Reize, auch soziale Reize, reagiert. Während extrovertierte Menschen viele Reize brauchen, fühlen sich introvertierte Menschen in einer ruhigen, entspannten Umgebung am lebendigsten, aufnahme- und leistungsfähigsten.“

 

Reden wir Klartext – Unser Alltag und das soziale Umfeld werden eher den extrovertierten Menschen gerecht. Schau Dir nur unser Schulsystem an. Großraumbüros. Laute Clubs und Bars. Introvertierte können da kaum glänzen. Denn sie hassen es, sich in einer Gruppe hervorzuheben. Sie hassen leeres Geschwätz und bevorzugen daher viel lieber ein tiefgründiges Gespräch statt Smalltalk auf einer Party!

 

„Introvertierte können starke soziale Fähigkeiten haben, Partys und geschäftliche Treffen genießen,
aber nach einer Weile wünschen sie sich, wieder zuhause und im Schlafanzug zu sein.
Sie ziehen es vor, ihre sozialen Energien engen Freunden und Kollegen und der Familie zu widmen.“ (Susan Cain)

 

Dabei sind bis zu 50% der Bevölkerung eher introvertiert. Und einige davon sind natürlich von einer Krebserkrankung betroffen.

Zwischen introvertierten und extrovertierten Menschen ist äußerlich zunächst kein Unterschied erkennbar. Beobachtet man allerdings, wie sie mit ihren Mitmenschen interagieren, werden schnell Gegensätze deutlich. Grundsätzlich geht jeder anders mit seiner Krebserkrankung um. Im Umgang mit Krebskranken wirkt sich die Tatsache, ob die Person introvertiert oder extrovertiert ist, natürlich darauf aus, wie (und wie viel!) sie mit anderen Menschen über die Krebserkrankung sprechen.

Natürlich kann man nicht alle Introvertierten über einen Kamm scheren, genauso wenig wie alle Extrovertierten. Aber introvertierte Menschen handeln einfach anders.

 

Geständnis einer Introvertierten

Meine Krebserkrankung wurde ganz sicher zu einem gewissen Grad durch meine Introvertiertheit geprägt.

Ich genieße es überhaupt nicht, Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Ich bin die Person, die sich besonders viel Mühe gibt, um in der Öffentlichkeit möglichst unsichtbar zu bleiben (vermutlich kann ich mich deshalb auch nicht wirklich mit Facebook anfreunden!).

Wenn ich anderen sage, dass ich eigentlich ziemlich introvertiert bin, sind sie oft ganz überrascht. Sie denken ich mache Witze. Denn sie erleben mich als offene und humorvolle (wenn man einen Stich Sarkasmus mag!) Person… was wiederum ebenso wahr ist. Beide Charaktereigenschaften schließen sich nicht zwangsläufig gegenseitig aus.

Ich stimme der Autorin Susan Cain zu und erlebe den Unterscheid eher darin, wie ich – im Gegensatz zu meinen extrovertierten Freunden – Energie tanke. Stell Dir vor – wer hätte gedacht, dass ich irgendetwas mit Marilyn Monroe gemein hätte:

 

„Ich regeneriere mich, wenn ich allein bin.“ (Marilyn Monroe)

 

Ich, als Introvertierte, mag den Kontakt zu anderen Menschen sehr gerne. Aber Energie tanke ich immer dann, wenn ich mit meinen Gedanken alleine bin. Im Vergleich – Extrovertierte lieben ebenso den Kontakt zu anderen, finden es allerdings eher anstrengend alleine zu sein.

 

Wir Introvertierte hassen das Rampenlicht unserer Erkrankung

Es ist für so ziemlich jeden schwierig, Freunde und Familie von der eigenen Krebserkrankung zu erzählen. Als introvertierte Frau war ich oft unangenehm berührt, wenn ich aufgefordert wurde über meine eigene Erkrankung zu sprechen. So eilte ich meist durch das, was ich zu sagen hatte, um möglichst schnell wieder das Rampenlicht an jemand anderen abzugeben.

Introvertierte haben generell einen kleinen engen Freundeskreis, dem gegenüber sie sich öffnen.

Als Krebs Coach bringe ich nicht nur Fakten sondern auch meine persönlichen Erfahrungen im Gespräch mit meinen Klientinnen ein. Das fällt mir gar nicht schwer, denn es kommt einem Introvertierten ja wiederum total entgegen – wir führen liebend gerne ein 4-Augen-Gespräch über wichtige Themen, die uns persönlich berühren. Und fokussieren uns dabei am liebsten auf unseren Gesprächspartner.

So kann ich verstehen, dass wir Introvertierte für manche ein Rätsel sind. Einerseits oft verschlossen, andererseits scheinbar doch extrovertiert.

 

Zum guten Schluss

An meine extrovertierten Leserinnen:
Im Umgang mit Krebskranken  möchte ich Verständnis dafür aufrufen, wenn das Verhalten der Erkrankten für Dich Unverständnis hervorruft, da sie anders ist, wie Du mit ihrer Diagnose umgehst. Jeder geht eben anders damit um!

 

An meine introvertierten Leserinnen:
Ich hoffe, Du erhältst nie eine Krebsdiagnose. Allerdings weiß ich, dass jeder früher oder später mal – oftmals tretend und schreiend –  ins Rampenlicht gepusht wird. Ob durch eine Erkrankung, einen neuen Job oder auch nur banalerweise durch das eigene schreiende Kind im Supermarkt…
Das Leben wird hin und wieder das Rampenlicht auf uns werfen. Auch wenn es nicht leicht fällt – Du wirst Deinen eigenen Weg finden, damit umzugehen.

 

Wie hat Deine Persönlichkeit Deinen Umgang mit der Erkrankung und Deinen Mitmenschen geprägt? Schreibe es mir in den Kommentaren!

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